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Juliana: Joseph Phibbs’ neue Kammeroper

Juliana: Joseph Phibbs’ neue Kammeroper

Im Juli feierte Joseph Phibbs’ Musiktheaterdebüt Juliana beim Cheltenham Music Festival Premiere. Gemeinsam mit Librettist Laurie Slade übersetzt der Komponist August Strindbergs legendäres Kammerspiel Fräulein Julie in ein modernes Szenario um die Macht des Geldes, Einwanderungspolitik, Drogen und sexuelle Entgrenzung, das Zuschauer und Presse begeisterte: „Juliana ist eine dieser seltenen Ausnahmeerscheinung heutzutage“, schreibt The Guardian, „eine über alle Zweifel gut gemachte, schlagkräftige neue Oper, die genau das erreicht, was sie sich vorgenommen hat“. Die von Richard Williams inszenierte Co-Produktion der Nova Music Opera, Cheltenham Music Festival und Presteigne Festival kehrt im August und Oktober unter Leitung von George Vass zurück auf die Bühne.

Picture of Juliana by Joseph Phibbs
Juliana, Cheltenham Music Festival 2018

Pressezitate

»Slades ökonomischer Text drängt sich nie in den Vordergrund. Er ist nicht unnötig schwierig zu singen, wodurch Phibbs die Worte mit gehaltvollen lyrischen Linien verbinden kann, anstatt auf Deklamationen zurückgreifen zu müssen. Es ist eine durchweg positive Überraschung, eine neue Oper zu hören, in der praktisch jedes Wort durch die Art und Weise, wie es gesetzt wurde, zusätzlich an Klarheit und Signifikanz gewinnt. Das Tempo der Musik variiert überzeugend – träge zu Beginn, bevor sie mit Juans Auftauchen schneller und motorischer wird, dann etwas vage lateinamerikanische Klänge verlauten lässt, wenn das Paar tanzt (teils Flamenco, teils Tango), und in einen wilden, aggressiven Jig ausbricht, wenn sie sich lieben – wobei jede Figur ihre eigene instrumentale Klangwelt innerhalb des achtköpfigen Ensembles erhält. Juliana ist eine dieser seltenen Ausnahmeerscheinung heutzutage eine über alle Zweifel gut gemachte, schlagkräftige neue Oper, die genau das erreicht, was sie sich vorgenommen hat.«
The Guardian, 18.07.2018

»Laurie Slades Libretto ist schlank und poetisch, passend zu Joseph Phibbs' intelligenter und eingängiger Partitur. In ihren besten Momenten enthält diese Oper Musik von wahrer Kraft: etwa das ekstatische Liebesduett und Julianas bewegender Monolog. Auch die Orchestrierung ist überaus gelungen, von der flatternden Flöte, die einen Kanarienvogel imitiert, bis hin zum perkussiven Glitzern der Off-Stage-Speedboote.«
The Times, 18.07.2018


Picture of Juliana by Joseph Phibbs
Juliana, Cheltenham Music Festival 2018

Über das Werk

In einem zeitgenössischen Szenario wird die Macht der Aristokratie durch die der Plutokratie ersetzt. Strindbergs Graf, eine verborgene und bösartige Gestalt, wird zum Boss, ein Multi-Millionär-Geschäftsmann. Julie wird Juliana, ein kleines, verwöhntes, reiches Mädchen, das ihrem Vater hörig ist. Jean wird Juan, ein immigrierter Diener, sein Status unsicher – ein Mitglied der heutigen Unterschicht. Juliana und Juan stehen am emotionalen Abgrund. Kerstin, die Haushälterin, ist gefangen in einem Dreieckskonflikt mit beiden – aber sie ist auch eine Chorfigur, die den Ereignissen auf und abseits der Bühne aus der stärker von Mitgefühl geprägten Perspektive beiwohnt, wie sie aus Strindbergs späterem Werk bekannt ist.
Die Rolle der Juliana ist einer Sopranistin zugeordnet, Kerstin einer Mezzosopranistin und Juan einem Bariton. Während die traditionelle Form der Arie und des Rezitativs nicht explizit verwendet wird, lässt sich ein Großteil des Werks in ausgedehnte, lyrische Meditationen über eine gegebene Situation fassen, während flüchtigere, diskursive Musik dazu dient, die Erzählung voranzutreiben. Wiederkehrende Instrumentalthemen heben oft den dramatischen Kontext an verschiedenen Stellen hervor (z.B. findet die von Kerstin in der Eröffnung beschriebene natürliche Welt ihren Ausdruck in einer sanften, vielschichtigen Streichertextur; während die Geschäftsangelegenheiten des Chefs, wie sie von Juan in Szene 2 beschrieben werden, durch druckvolle, motorische Figuration in Klarinette und Schlagzeug getragen werden) und diese Themen verbinden sich – oft in unterschiedlicher Gestalt – mit jeder der drei Figuren. 
Das Werk ist durchkomponiert und verläuft ohne Pause, seine dreizehn Szenen sind durch ein kurzes instrumentales Zwischenspiel ungefähr in der Mitte geteilt. Die Oper ist mit einem Ensemble aus Flöte (und Piccolo), Klarinette (und Bassklarinette), zwei Violinen, Violoncello, Kontrabass, Harfe und Schlagzeug besetzt, von denen einige an verschiedenen Stellen die „Schatten“ der drei Rollen spielen: Vibraphon und Flöte/Piccolo stehen für Juliana (sowie für ihren Kanarienvogel), Klarinette und Schlagzeug für Juan und Streicher für Kerstin.
 
—Joseph Phibbs und Laurie Slade, 2018 (Auszug aus dem Programmheft der Uraufführung, Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Cheltenham Music Festivals)


Juliana (2017)

Eine Kammeroper
S.Ms.Bar – Fl.Kl.Perc.Hrf.2Vl.Vc.Kb
Dauer 75 Min.







Photos: www.stillmovingmedia courtesy Cheltenham Music Festival