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Fujikura: neues Orchesterwerk Glorious Clouds

Fujikura: neues Orchesterwerk Glorious Clouds

Fasziniert und inspiriert von der Welt der Mikroorganismen schuf Dai Fujikura ein neues Werk für Orchester, bei dem frei schwebende Klänge den Eindruck umherfliegender Mikroben erwecken – das Werk selbst wird zum "Mikroorganismus-Orchester", wie Fujikura beschreibt. Zum Finale eines Konzertes, bei dem zeitgenössische japanische Komponisten im Zentrum standen, wurde Glorious Clouds am 02.11.2018 vom WDR Sinfonieorchester unter Peter Eötvös uraufgeführt. Im Rahmen des Festivals „Now! form per form“ war es am darauffolgenden Tag unter gleicher Formation in der Philharmonie Essen zu hören. Das Orchestre national d'Île-de-France wird Glorious Clouds am 29.01.2018 unter Jamie Phillips an der Philharmonie de Paris zur französischen Erstaufführung bringen.

Glorious Clouds (2017)

für Orchester 
3.3.3.3 - 4.3.3.1 - 3perc.timp - str
Dauer: 16'
UA: 02.11.2018, Köln



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Über das Werk

Es war für mich eine große Herausforderung, dieses Werk zu komponieren. Eines Tages las ich in einem Magazin einen Artikel über Mikroben, der mich so faszinierte, dass ich unbedingt mehr über sie herausfinden musste. Damit begann meine Forschungsarbeit zu diesem Thema. Mikroorganismen leben nicht nur in den Eingeweiden, sondern auch auf der Haut. Tatsächlich leben Mikroorganismen überall auf der Erde. Dank des beeindruckenden Netzwerkes von Mikroorganismen, die einfach überall vorkommen, sind Tiere, uns Menschen eingeschlossen, in der Lage zu überleben. Ich habe gelesen, dass Mikroorganismen einige Insekten dazu veranlassen, Selbstmord zu begehen (wenn bestimmte Bakterien Wasser benötigen, um sich zu vermehren, dann infizieren sie das Insekt, das im Wasser nicht überleben kann, und zwingen es damit, sich plötzlich ins Wasser fallen zu lassen. Das Insekt stirbt auf der Stelle, aber die Bakterien beginnen, sich glücklich im Wasser zu vermehren). Es ist Tatsache, dass wir von Mikroorganismen kontrolliert werden.

So las ich über die Vorzüge der Mikroben und dachte mir, wie großartig doch Tiere sind. Zum Beispiel sind Mikroorganismen für die Verdauung und Absorption in unserem Körper unverzichtbar. Und es sieht danach aus, als würden einige Vitamine, die der menschliche Körper nicht selbst synthetisieren kann, tatsächlich von Mikroorganismen produziert. Als ich diese Artikel las, dachte ich „Ah!!! Zahlreiche kleine Mikroorganismen regieren  die Welt, das ist genau wie bei einem Orchester!“ Also begann ich zu komponieren. Um dieses Werk zu schreiben, setzte ich meine Lektüre zu diesem Thema mit zahlreichen Büchern und Aufsätzen fort, sowohl auf Englisch als auch auf Japanisch. Ich habe sogar die Autoren einiger klinischer Studien auf Twitter ausfindig gemacht und kontaktiert. Die Forscher schienen überrascht, dass Komponisten ihre Aufsätze lesen! Schließlich bekam ich die Möglichkeit, Dr. Satoshi Omura zu treffen, der 2015 für seine mikrobiologischen Studien den Nobelpreis für Physiologie und Medizin erhielt. Der Austausch mit ihm über seine Studien war ausgesprochen inspirierend. Wie man sich vielleicht vorstellen kann, hat es mehr Zeit gekostet, die Thematik des Werkes zu erforschen, als die Partitur niederzuschreiben!

Glorious Clouds beginnt mit dem Eindruck, dass Mikroorganismen umherfliegen … Auf den Skizzenblättern wirkt das einfach, doch dann hatte ich all die Noten so zu schreiben, dass es in meinen Ohren gut klingt. All die „frei“-schwebenden Klänge zu kreieren und dabei aber harmonische Kontrolle und deren Bewegung zu erhalten, war herausfordernd. Wie so oft, komponierte ich das Werk mit vielen Unterbrechungen – ein paar Monate schreiben und dann aufhören, um etwas anderes zu komponieren, und dann zurückkehren. On and off für rund ein Jahr, bis ich den letzten Takt erreichte. Ich hoffe dieses Mikroorganismus-Orchester wird in Zukunft häufig und überall auf der Welt gespielt werden.

Dai Fujikura 

Partitur von Glorious Clouds