News

Neues Portraitvideo von Enno Poppe

Neues Portraitvideo von Enno Poppe

"Ich werde von Musik gerne überrascht, ich werde nicht gerne gelangweilt und ich mag das Unverständliche"


In unserem neuen Video spricht der Komponist Enno Poppe über die erfolgreiche Uraufführung seines Violinkonzertes Schnur und die Zusammenarbeit mit Carolin Widmann, Alan Gilbert und anderen Musiker*innen - und über die Probenarbeit als Dirigent als Laborsituation mit ergebnisoffenem Ausgang. 

Interview mit Enno Poppe



Schnur, Enno Poppes neues Violinkonzert wurde im September 2019 von Carolin Widmann und das NDR Elbphilharmonie Orchester und Alan Gilbert Enno Poppes im Rahmen des Beethovenfestes Bonn uraufgeführt. Carolin Widmann und das Mahler Chamber Orchestra spielen nun am 17. März 2020 das Werk erneut, diesmal unter der Leitung von Enno Poppe selbst.

Schnur (2019)

für Violine Solo und Orchester
2.2.2.2 - 2.2.0.0 - Pk.2Perc - 8.7.5.4.2
Uraufführung: Bonn, 24.9.2019
Dauer: 20'

Über das Werk

"Poppe hat im Entstehungsprozess eng mit [Carolin] Widmann zusammengearbeitet und dabei regelrecht Forschungsarbeit geleistet. […] Er erkundet Varianten des Vibratos, vor allem die Möglichkeit, die Klangfarbe mithilfe des Vibrato zu verändern. Sofern das Vibrato in der Musik mit dem Subjektiven und dem Persönlichen assoziiert wird, ist Poppes systematischer Umgang mit dem Vibrato durchaus ungewöhnlich. Es sei auch keineswegs selbstverständlich, dass Musiker ihr Vibrato vom Komponisten antasten lassen, erklärt Poppe."

"Widmann […] hat das zugelassen und gemeinsam mit dem Komponisten Vibratovarianten und verwandte Tonbewegungen wie das Glissando und das Tremolo erkundet. Es geht dabei um das Verhältnis von der linken Hand zu Bogendruck und -geschwindigkeit, es geht um Nuancen im Klang, um neue Möglichkeiten von Mikrotonalität. Dabei entstehen ungeheure Dinge, wenn zum Beispiel die linke Hand molto vibrato und die Bogenhand ein Bogenvibrato, eine eigentlich barocke Bogentechnik spielt, dann entsteht ein »fast schon hysterischer Klang« (Poppe)."

"Ergänzt wird diese vibrierende, glissandierende Mikrotonalität durch mikrotonale Akkorde, bei denen Poppe im Orchester mit für unser temperiertes Ohr ungewöhnlichen Intervallen arbeitet. Diese Akkorde treten immer besonders deutlich am Ende eines Abschnitts im Orchestertutti hervor. Diese Klangidee wird um eine Strukturidee ergänzt, die sich bereits im Titel andeutet. […] Die Partie des Soloinstruments ist dabei eine Schnur, die sich durch das ganze Stück hinweg zieht. Das Werk ist, wie Poppe es formuliert, »linear, einstimmig konzipiert«. Die Geige ist immer in Bewegung, spielt fast durchgehend, und der Finger ist immer in einer Rutschbewegung auf dem Griffbrett. An diese Schnur heftet Poppe dann die Begleitung. Poppe sucht im Orchester je unterschiedliche Konstellationen, in denen die Solovioline musiziert. Mal sind es Akkorde, mal eher Liniengeflechte, vor allem aber immer andere Farben, einzelne Streichinstrumente duettieren, eine Schicht mit Klarinette und Hörnern. So wird der ungewöhnliche Geigenklang auch farblich immer neu kontextualisiert. "

Auszüge aus dem Programmheft von Björn Gottstein
Mit freundlicher Genehmigung des Autoren und des Beethovenfest Bonn


Picture of Carolin Widmann, Alan Gilbert und Enno Poppe
Proben von Schnur mit Carolin Widmann, Alan Gilbert und Enno Poppe, September 2019

Pressestimme

"Der Anfang des Werks klingt, als würde man ein Geigenvibrato durch ein akustisches Mikroskop hören. Jedenfalls klingen die Wellen der Tonhöhenschwankungen extrem verlangsamt. Tatsächlich hat Poppe das Vibrato zum Thema seines Konzerts gemacht. [...] Das Orchester umhüllt das Soloinstrument sozusagen mit Klang, der sich immer mehr verdichtet. Dass der im Beethovenjahr 1970 geborene Poppe sein Konzert mit dem Titel "Schnur" überschreibt, ist in dieser Kürze nicht nur typisch für ihn, sondern auch inhaltlich sehr passend, weil letztlich nichts, auch nicht die später einsetzenden heftigen Erschütterungen, das Soloinstrument von seinem geraden Weg durch die Partitur abbringt, um am Ende in höchstem Flageolettzwitschern zu entschweben. Das Orchester lieferte unter der Leitung seines neuen Chefs Gilbert eine bravouröse Leistung ab."
Bonner Rundschau, 26. September 2019

Aufführungen

24.09.2019 (WP)
World Conference Center Bonn (Beethovenfest Bonn), Carolin Widmann (Violine), Alan Gilbert (Dir.), NDR Elbphilharmonie Orchester 

26.09.2019

Elbphilharmonie Hamburg, Carolin Widmann (Violine), Alan Gilbert (Dir.), NDR Elbphilharmonie Orchester

27.09.2019
Musik- und Kongresshalle Lübeck, Carolin Widmann (Violine), Alan Gilbert (Dir.), NDR Elbphilharmonie Orchester

29.09.2019
Elbphilharmonie Hamburg, Carolin Widmann (Violine), Alan Gilbert (Dir.), NDR Elbphilharmonie Orchester

17.03.2020
Theater Bonn (Beethovenfest Bonn), Carolin Widmann (Violine), Enno Poppe (Dir.), Mahler Chamber Orchestra


Partitur von Schnur






Fotos: Pearls & Beans (title), Jascha Zube