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Donaueschingen 100 with Filidei, Klartag, Lim, Poppe

Donaueschingen 100 with Filidei, Klartag, Lim, Poppe

Seit nun 100 Jahren stehen die Donaueschinger Musiktage für das Neue in der Musik. Hier wird kompromisslos Raum gegeben für akustische Wagnisse und experimentelle Formen, für kühne Visionen international bekannter Komponistinnen und Komponisten und Newcomern gleichermaßen.

Zum Jubiläum gratulieren wir dem Festival, den Machern und Fürsprecher:innen in Donaueschingen und im SWR ganz herzlich – und freuen uns besonders auf die Uraufführungen von Francesco Filidei, Yair Klartag, Liza Lim und Enno Poppe. Alle Aufführungen werden live vom SWR gestreamt.


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Chorwerk Ruhr

17.10.2021 (UA)

Francesco Filidei – The Red Death (2021)

Per Soli, Coro, Orchestra ed Elettronica
Chr - 3.3.3.2 – 4.3.3.1 – 4perc.timp – hp.cel-fsm - str
Commissioned by SWR and IRCAM on occasion of the 100th anniversary of the Donaueschinger Musiktage with special support from the SWR Symphony Orchestra and the SWR Vokalensemble 

Rinnat Moriah (Sopran), Tora Augestad (Mezzosopran), Hagen Matzeit (Countertenor), Ed Lyon (Tenor), Dietrich Henschel (Bariton)
IRCAM
Chorwerk Ruhr
SWR Vokalensemble
SWR Symphonieorchester
Sylvain Cambreling
(Leitung)

Über das Werk

"Der Rote Tod" verwüstet das Land. Ein Teil der Gesellschaft, abgeschottet vom Rest der Welt, wähnt sich in Sicherheit und frönt dekadenter Lustbarkeiten. Der Autor Edgar Allan Poe wurde als junger Mann Zeuge einer Cholera-Epidemie in Amerika und verarbeitete seine Eindrücke in der 1842 erstmals veröffentlichten Erzählung „The Masque of the Red Death“. (…) Eine andere Pandemie erschütterte die Grundfesten der Weltgesellschaft, als die Librettistin Hannah Dübgen und der Komponist Francesco Filidei sich mitten in der Arbeit an einem anderen Sujet entschieden, Poes Erzählung als Rahmen für ihre Arbeit anlässlich von 100 Jahren Donaueschinger Musiktage zu wählen. Das trügerische Gefühl von "Sicherheit", dem die westliche Gesellschaft lange erlegen war, war dem Gefühl einer latenten Bedrohung gewichen, gepaart mit der gedehnten Zeiterfahrung des Lockdowns. Dübgen und Filidei versetzen die Zuhörenden mitten hinein in Prosperos Festgesellschaft, drei Chorgruppen rahmen es von drei Seiten ein, Lautsprecher erzeugen einen Ring um das Publikum. Die zwölf Schläge der Uhr, die Poe in seiner Erzählung beschreibt, gliedern die Handlung ebenso wie die Idee der sieben Räume verwandelt aufgenommen wurde: in einer Verhandlung der sieben Todsünden. [...]   weiterlesen
Text: Patrick Hahn. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.



Ein Film für die Ernst von Siemens Musikstiftung von Daniel Binsted


16.10.2021 (UA)

Yair Klartag – Awkward Dances and Passacaglia (2019)

for ensemble
fl.cl.trb.2perc.acc.pf.2vl.vla.vc.db

Klangforum Wien
Bas Wiegers (Leitung)

Kompositionsauftrag des Südwestrundfunk

Weitere Aufführung: 18.10.2021, Wiener Konzerthaus 

Werkkommentar

Awkward Dances and Passacaglia entstand in dem Versuch, eine Tanzsuite zu komponieren. Da ich die Form einer Suite zu einengend fand, begann sich ein Medley aus tanzähnlichen Fragmenten als musikalische Form herauszukristallisieren. Die ersten Fragmente weisen Merkmale auf, die normalerweise mit "Tanzbarkeit" assoziiert werden, wie Regelmäßigkeit und rhythmische Vorhersehbarkeit. Dann bewegt sich die Kette der Tänze allmählich in Richtung nicht-traditioneller Ausformungen abstrakter Musik. [...]   weiterlesen





15.10.2021 (UA)

Liza Lim – World as Lover, World as Self (2021)

For Solo Piano & Orchestra
pf - 1.1.1.1 - 1.1.1.0 - perc - str (min. 3.3.3.3.2)

Tamara Stefanovich (Klavier)
IRCAM
Orchestre Philharmonique du Luxembourg
Ilan Volkov
(Leitung)

Kompositionsauftrag der Donaueschinger Musiktage 2021

Werkkommentar

Der Titel des Werks stammt aus dem Buch World as Lover, World as Self von Joanna Macy, Ökophilosophin, Aktivistin, Lehrerin und Wissenschaftlerin in den Bereichen Buddhismus, Systemdenken und Tiefenökologie. Die Titel der Sätze beziehen sich auf die Struktur von Macys Lehre, die sich in einer spiralförmigen Abfolge von "Dankbarkeit, dann Ehrung unseres Schmerzes für die Welt, Sehen mit neuen Augen und schließlich Weitergehen" bewegt. Jede Stufe ist ein Eingang zum Mitgefühl, das über das kleine Selbst hinausgeht und eine Verbindung mit der inneren, abhängigen, sich gemeinsam entwickelnden Natur des größeren Selbst der Existenz herstellt. [...]   weiterlesen



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Orchestre Philharmonique du Luxembourg

15.10.2021 (UA)

Enno Poppe – Hirn (2021)

for 29 wind instruments and percussion
4.4.4.4 – 4.4.4.1 – 5perc – 0.0.0.0.0 

Orchestre Philharmonique du Luxembourg
Ilan Volkov (Leitung)

Kompositionsauftrag von Südwestrundfunk, Philharmonie Luxembourg & Orchestre Philharmonique du Luxembourg und Festival AFEKT

Weitere Aufführung: 19.11.2021, Philharmonie Luxembourg





Werkkommentar

Gerne und immer wieder wird das Wort "verkopft" gebraucht. Dieses soll generell das Nachdenken verunglimpfen und kommt aus einer unguten, sehr deutschen Tradition, die den Geist als Widersacher der Seele begreift. In Wirklichkeit macht das Gehirn alles. Hypnose ist ein zerebraler Vorgang, Trance spielt sich im Gehirn ab. Das Gehirn ist unser größtes Geschlechts organ. Wo soll die Seele sein, wenn nicht im Gehirn? In Hirn beobachte ich, wie sich der Tonraum kontinuierlich verändert. Die Musik ist schnell, die Veränderungen langsam. Der Energiezustand der Musik steigt, je mehr wir die Orientierung verlieren. Immer wieder erlebe ich, dass rational entworfene Ordnungen in einen Taumel und in Kontrollverlust münden. Das liegt daran, dass ich der Musik mehr vertraue als dem Kalkül. Aber all das, die Kontrolle und der Rausch, liegen an einem Ort ganz nahe beieinander: dem Gehirn.



Photos: Pedro-Malinowski, Johann Sebastian Hänel