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Wüthrich, Hans

Ah! Vous voilà! (Szene 4 aus „HAPPY HOUR. Zyklus”) · [1994-97]
für zwei Frauen und zwei Männer (vier Figuren aus Theaterstücken der klassischen französischen Moderne)
Text: Jean Anouilh, Jean-Paul Sartre, Henri de Montherlant
4 Sch/St.
Uraufführung: 1998, Basel
Dauer: 10’
TME 0913 // *Stud.-P. / Sti.

Annäherungen an Gegenwart · [1986-87]
für Streichquartett
2 Vl. Vla. Vc.
Uraufführung: 1987, Basel
Dauer: 18’
MMV 5368 // Partitur / Sti. / *Stud.-P.

Chopin im TGV Basel-Paris, die Sonne betrachtend · [1989]
für Flöte, Violine und Klavier
Fl. Vl. Klav.
Uraufführung: 02/1990, Basel
Dauer: 6’
TME 3005 // *Spiel-P.

Das Glashaus · [1974-75]
für sechs Sprecher, Sopran, Schlagzeug und Tonband
6 Spr. S. Schlzg. Tonb.
Uraufführung: 1977, Basel
Dauer: 23’
MMV 5376 // *Partitur / Sti. / Tontr.

Die singende Schnecke [The Singing Snail] · [1979]
Ein Konzept [A Concept]. Anweisungen zum imaginären Hören.
I. Das Vorgegebene [The Actuality]; II. Das projizierende Hören [Projective Hearing]; III. Beispiele für verbale Anweisungen [Examples for Verbal Instructions]
Text: Hans Wüthrich (dt., engl.)
ISBN 978-3-937087-00-9
Uraufführung: 1979, Zürich
Dauer: variabel
TME 0602 // *Broschüre

Drei psychophysikalische Symbole · [2002-03]
für zwei Gitarren
I. Bierbläschen in schmalem Glas; II. Nervenblitze; III. fractal fatal
2 Git.
Uraufführung: 29.12.2004, Baden (CH)
Dauer: 9’
TME 0672 // *Spiel-P.

Estelle + D. R. (Szene 7 aus „HAPPY HOUR. Zyklus”) · [1994-97]
für zwei pendelnde lebensgroße Puppen, einen Frauen- und einen Männermantel, eine Frauentasche, einen Männerkoffer und Kassettengeräte
6 AssistentInnen (Puppen. Requisiten). Kassrec.
Uraufführung: 1998, Basel
Dauer: 7’
TME 0906 // *Stud.-P. / Sti.

Glühende Übergänge in Rot, Orange und leuchtendem Blau · [1998-99]
für Vokalensemble und zwei Keyboards (oder Zuspiel-CD)
3 S. 3. A. 3 T. 3 B. / 2 Key (od. Zuspiel-CD).
Uraufführung: 18.2.2000, Basel
Dauer: 14’
TME 0439 // Partitur / Sti. / *Stud.-P. / Tontr.

Happy Hour. Szene (Szene 8 aus „HAPPY HOUR. Zyklus”) · [1995-96]
elf SängerInnen/SprecherInnen, einen Kellner und einen Schlagzeuger
Text: Hans Wüthrich
11 Frst/Mst (Partygäste). Sch (Kellner). Schlzg (Barkeeper)
Uraufführung: 31.1.1998 , Basel
Dauer: 20’
TME 0903 // *Stud.-P. / *Spiel-P. / Sti.

HAPPY HOUR. Zyklus · [1994-97]
Musiktheater für zwölf SängerInnen/SprecherInnen, zwei Keyboards, Schlagzeug und Objekte
Text: siehe einzelne Szenen
12 Frst/Mst.
2 Key. Schlzg. Objekte.
Acht Szenen, auch einzeln aufführbar, siehe jeweils dort.
Uraufführung: 1998, Basel
Dauer: 60’
TME 0914 // *Partitur / Sti.

L’Être et le néant (Szene 5 aus „HAPPY HOUR: Zyklus”) · [1994-97]
für drei Hühner, BetreuerIn und Violine
3 Hühner. Betreuerin. Vl.
Uraufführung: 1998, Basel
Dauer: 7’
TME 0904 // *Stud.-P. / Sti.

LEVE · [1992]
16 Szenen mit drei Frauen, drei Männern und Objekten
Text: Fernando Pessoa, Hans Wüthrich
S. Ms. A. T. 2 Sch.
Helfer I, II, III (Statisten), 2-3 TechnikerInnen
Uraufführung: 1993, Basel
Dauer: 40’
TME 0901 // *Partitur

Netz-Werk I · [1983-84]
für großes Orchester ohne Dirigenten
4. 3. 4. 4. / 4. 3. 4. 1. / Hf. 4 Schlzg. / 18. 0. 6. 6. 6.
Uraufführung: 1988, Zürich
Dauer: 12’
MMV 5369 // Partitur / Sti. / *Stud.-P.

Netz-Werk II · [1984-85]
für großes Orchester ohne Dirigenten
4. 2. 4. 2. / 2. 4. 1. 0. / 7. 0. 4. 4. 4.
Uraufführung: 1988, Zürich
Dauer: 10’
MMV 5370 // Partitur / Sti. / *Stud.-P.

Netz-Werk III · [1987-89]
für großes Orchester ohne Dirigenten
3. 2. 2. 2. / 4. 2. 2. 1. / Hf. 4 Schlzg. / 18. 0. 5. 6. 4.
Uraufführung: 1989, Basel
Dauer: 25’
MMV 5454 // Partitur / Sti. / Stud.-P.

O me nura (Szene 6 aus „HAPPY HOUR. Zyklus”) · [1994-97]
acht SängerInnen, zwei Assistenten, zwei Keyboards (od. Zuspiel.CD), lebensgroße Puppen und Kassettengeräte in einem dunklen Bild mit dunkler Musik
2 S. 2 A. 2 T. 2 B.
2 Assistenten (2 Key (od. Zuspiel-CD). Puppen. Kass).
Uraufführung: 1998, Basel
Dauer: 5’
TME 0908 // *Stud.-P. / Sti.

O miseria umana (Szene 1 aus „HAPPY HOUR. Zyklus”) · [1994-97]
für Vokalensemble, zwei Keyboards, Objekte und Assistenten
Text: Leonardo da Vinci
2 S. 2 A. 2 T. 2 B.
2 Key. 2 Assistenten (Schlzg. Objekte).
Inszenierung der Federzeichnung von Leonardo da Vinci „Ihr elenden Menschen, wie vieler Dinge wegen macht ihr euch dem Geld zum Sklaven!”
Uraufführung: 1998, Basel
Dauer: 8’
TME 0905 // *Stud.-P. / Sti.

Orte der Zeit 1 (Szene 2 aus „HAPPY HOUR. Zyklus”) · [1994-97]
für drei SchauspielerInnen/SängerInnen, rückwärts gehend und rückwärts ein Gedicht rezitierend
Uraufführung: 1998, Basel
Dauer: 5’
TME 0909 // *Stud.-P. / Sti.

Orte der Zeit 2 (ex libris) (Szene 3 aus „HAPPY HOUR. Zyklus”) · [1994-97]
für SchauspielerInnen, Tischchen und uralte Bücher, die „leise” atmen
Uraufführung: 1998, Basel
Dauer: 5’
TME 0907 // *Stud.-P. / Sti.

Peripherie und Mitte · [2011] | Werkbeschreibung
für zwei Schlagzeuger und Live-Elektronik
2 Schlzg. Live-El.
Uraufführung: 1.10.2011, Fribourg (CH)
Dauer: 18’
TME 3437 // Partitur / Live-El.

Requiem für Gulliver · [1972-73]
für Orchester, vier Singstimmen und Tonband
Text: Hans Wüthrich
S. A. T. Bar. Tonb.
Uraufführung: 1973, Basel
Dauer: 13’
TME 0673 // Partitur / Sti. / Tontr.

Sky, Seated Man / Seated Woman, Train, Garden-Pool. Cut. · [1993]
Sechs Chiffren für acht Solostimmen und zwei Keyboards ad lib.
8 St.
2 Key (ad lib).
Uraufführung: 1994, Perugia
Dauer: 2’
TME 3007 // *Spiel-P.

Walser Arabien · [2002]
für Sopran/Mezzosopran und Klavier
Text: Robert Walser
S (Ms). Klav.
Uraufführung: 18.3.2002 Chopin im TGV , Zürich
Dauer: 3’
TME 0601 // *Partitur

Wörter Bilder Dinge · [1989-91]
für Altstimme und Streichquartett
Text: Artikel der Menschenrechtskonvention 1948, Hans Wüthrich
A. 2 Vl. Vla. Vc.
Uraufführung: 23.5.1991, Zürich
Dauer: 22’
TME 3006 // *Spiel-P.

Zum Selbstbildnis von Leonardo da Vinci · [1978]
Arie für Singstimme und Melodieinstrument
Text: Hans Wüthrich
St. Fl (od. Ob. od. Kl).
Uraufführung: 1978, Donaueschingen
Dauer: 2’
TME 1144 // *Partitur

Zwei Minuten gegen das Vergessen · [1994]
für Klavier
Uraufführung: März 1995, Basel
Dauer: 2’
TME 3009 // *Partitur

Zwei Minuten gegen das Vergessen · [1994]
Version für Streichtrio
Uraufführung: 29.10.1994, Berlin
Dauer: 2’
TME 3010 // *Spiel-P.

Zwölf Phasen eines Cocons und fünf dynamische Kreuze · [2004-06]
für zehn Instrumentalisten
Fl. Kl. Barsax. Ps. Klav. Schlzg. Vl. Vla. Vc. Kb.
Uraufführung: 2006, Rümlingen
Dauer: 14’
TME 0810 // *Partitur / Sti..
3.8.1937 Aeschi / Schweiz † 20.03.2019 Arlesheim

Hans Wüthrich entstammt einer Bauernfamilie und kam erst im Alter von 16 Jahren intensiv mit Musik in Berührung. Er absolvierte das Lehrerseminar Muristalden in Bern (1952–56), studierte anschließend am Konservatorium Bern bei Sava Savoff (Klavier) sowie Sándor Veress (Musiktheorie) und schloss 1962 mit dem Klavierdiplom ab.

Wichtige Impulse erhielt er von Klaus Huber, bei dem er 1968 bis 1972 Kompositionsunterricht nahm, zuerst in Basel, später in Freiburg/Br. An Huber imponierte ihm vor allem die kompromisslose Haltung, „den Dingen auf den Grund zu gehen, bis an äußerste geistige Grenzen” (1988). Parallel dazu studierte Wüthrich an der Universität Zürich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft. 1973 schloss er mit der Promotion über „Das Konsonantensystem der deutschen Hochsprache” ab.

1974 gründete er das Ensemble "mixt media basel", das sich besonders Werken im Zwischenbereich von Musik und Theater widmet.

Von 1971 bis 1985 war er Lehrbeauftragter für Sprachwissenschaft an den Universitäten Zürich und Basel, von 1985 bis 2002 Dozent für Musiktheorie, Analyse und Gehörbildung an der Musikhochschule Winterthur-Zürich.

Seit 2002 war er freischaffend. Er lebte in Arlesheim (CH) und Murg-Oberdorf (DE).


Preise:
Kompositionspreis der Stadt Zürich 1972.
Kompositionspreise an den "Internationalen Kompositionswettbewerben Boswil" 1974, 1976, 1978.
Grand Prix Paul Gilson de la "Communauté radiophonique des programmes de la langue française" 1984.
Spartenpreis für Musik des Kantons Basel-Landschaft 1991.
Der Schweizerische Tonkünstlerverein verlieh Hans Wüthrich den Kompositionspreis Marguerite Staehelin 2011. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Tonkünstlerfests am 1. Oktober in Fribourg statt.


Kurzbiografie:
Geboren in Aeschi (Kanton Bern). Musikstudium am Konservatorium Bern bei Sava Savoff (Klavier) und Sandor Veress (Theorie). 1962 Klavierdiplom.
1967-1973 Studium an der Universität Zürich (Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Philosophie, Musikwissenschaft), 1973 Promotion zum Dr.phil. Parallel dazu (1968-1972) Kompositionsunterricht bei Klaus Huber.
1971-1985 Lehrbeauftragter für Linguistik (Phonetik/Phonemik) an den Universitäten Zürich und Basel. 1974 Gründung des Ensembles ‚mixt media basel‘, das sich besonders Werken im Zwischenbereich von Musik und Theater widmet.
Von 1985-2002 Dozent für Musiktheorie an der Musikhochschule Winterthur-Zürich.
Seit 2002 freischaffend. Lebt in Arlesheim (CH) und Kandern (DE)
Seit 2009 Mitglied der Akademie der Künste Berlin.
Seit Beginn 2013 Einrichtung eines Hans Wüthrich Archivs im Musikarchiv der AdK Berlin


Aufführungen u.a. in:
Athen (Weltmusikfest 1979), Baden (u.a. Schweizerisches Tonkünslerfest 1999), Baden-Baden (Musiktage 1977), Basel (u.a. ISCM World New Music Days ‘Trans-it 2004), Berlin, Bern, Bilthoven, Bonn (Weltmusikfest 1977), Boswil (1974, 1976, 1978), Como (Autunno di Como 1977), Darmstadt (Werkstattbühne des Staatstheaters 1996), Donaueschingen (Musiktage 1978, 1985), Düsseldorf, Essen (u.a. Aktive Musik 1991), Freiburg i.Br. (u.a. Freiburger Kulturwochen), Genf (u.a. Extasis 1991), Groningen, Hamburg (Hamburger Musikwochen 1982) Hongkong, Köln (Studiobühne 1996), Krakau, Krefeld (Theater am Marienplatz 1982, 1997), Leipzig (Zeitzeugen-Wegzeichen, 1. Festival des zeitgenössischen Musiktheaters 1995), Lugano, Mailand (Pomeriggi musicali 1978, Atelier musicale del ventesimo secolo 1999), München, Pakistan (Tournee 1996), Perugia (Quaderni Perugini di Musica Contemporanea 1989, 1994), Rümlingen (Tage für Neue Musik u.a. 1990, 1991, 1995, 1996, 2006), Siena, Stuttgart (u.a. Stuttgarter Sommerkurse 1990), Tokio (Sumida Triphony Hall, National Museum of Japan 2006), Trossingen, Warschau (Weltmusiktage 1992), Weingarten, Wien, Winterthur, Zug (Schweizerisches Tonkünstlerfest 2001), Zürich (u.a. Tage für Neue Musik 1993).

Foto: Claire Niggli

Komponist jenseits der Routinen: Hans Wüthrich 

Nur die feigeren Komponisten (...) bilden mit Dreißig einen Personalstil aus und machen dann das, was die alten Meister auch gemacht haben: Sie stricken an der Methodik, bis sie in Pension gehen. 
- Mathias Spahlinger 


Gewohnte Erklärungen versagen: Weder das Ursache- und Wirkungsprinzip greift, noch die als gemeinhin sinnvoll begriffene Abhandlung im Sinne einer persönlichen Kompositionsgeschichte. Das Oeuvre Hans Wüthrichs ist eine Folge von Überraschungen, von Sprüngen, die sich einer logisch-geradlinigen Abhandlung entziehen. Stil ist problematisch geworden, das bringt Mathias Spahlinger unverblümt und pointiert zum Ausdruck. Beim Skeptiker Wüthrich allerdings nimmt der Stil-Zerfall drastische Formen an. Seinen eigenen Wegen scheint er zwar nicht grundsätzlich zu misstrauen. Aber er hinterfragt sich; und das ständig. 

Politik, Kommunikation, Zeit und Multimedialität: In diesem umfassenden Spannungsfeld sind die meisten Werke Hans Wüthrichs angesiedelt. Phantasievolle Sprachspiele sind zu entdecken in dem konzeptionell wie kompositorisch wunderbaren Wörter Bilder Dinge für Altstimme und Streichquartett (1989/91). Einzelne Artikel der Genfer Menschenrechtskonvention von 1948 hat Wüthrich, der früher Literatur- und Sprachwissenschaft studierte, in ägyptische Hieroglyphen übersetz, um die Bilder dann zurück zu übersetzen ins Italienische, Deutsche, Französische und Englische. Vermittels einer zeitlupenartigen Artikulation lässt Wüthrich diese Worte intonieren. Bis zum Bersten wird die Sprache gedehnt, während die Streicher dem schmerzhaften Geschehen folgen. Sämtliche Tonhöhen sind abgeleitet von den Formanten der in Erschienung tretenden Vokale. 

„Die Wörter werden so aus dem vertrauten trivialen, ausgelutschten Umgang mit Sprache befreit, mit deutlicher und zerdehnter Aussprache ins Überdimensionale gesteigert und dadurch in unmittelbare, aufdringliche Nähe gerückt” (aus dem Vorwort der Partitur). Wüthrichs Stachel kann sich nicht nur gegen einen „ausgelutschten” Sprachgebrauch, sondern auch gegen autoritäre Strukturen richten. Er, der 1937 im Schweizerischen Aeschi geborene, hat diverse sozio-musikalische Modelle entworfen, deren kritischer Geist sicher in Verbindung stehen mit dem politisch aufgeladenen Klima der 60er und 70er Jahre, und ihren drastischen Ausdruck etwa auch bei Vinko Globokar finden. In der Werkreihe Netzwerk I-III (1982; 1985; 1987/89) lässt Wüthrich das Orchester ohne Dirigenten spielen. Ernst macht er mit der Selbststeuerung eines komplizierten Gebildes. Seine komplexen kybernetischen Systeme – auf den Prüfstand gestellt schon in den Kommunikationsspielen für freie Besetzungen von 1973 – münden in einen „selbstständigen, quasi-sozialen Organismus” (Thomas Meyer). 

An seinem einstigen Lehrer Klaus Huber faszinierte Wüthrich die Haltung, „den Dingen auf den Grund zu gehen, bis an äußerste geistige Grenzen.” Dieter Schnebel wiederum beeindruckte durch dessen „Unverfrorenheit, gegen alle Vorurteile zu tun und zu lassen, was man für richtig hält”. Mit Schnebel und Mauricio Kagel verbindet Wüthrich die multimediale Grenzüberschreitung und die geistvolle Lust am Spielerischen. Im 1992 entstandenen Leve. 16 Szenen mit drei Frauen, drei Männern und Objekten (1992) nach Texten von Fernando Pessoa und des Komponisten gibt es eine Szene, in der Tropfen aus Infusionsflaschen elektronisch verstärkt auf verschiedene Materialien prallen. Zunehmend erhöht sich die Tropfgeschwindigkeit, sodass alsbald ein visuell wie akustisch aparter Kontrapunkt verschiedener Zeitverläufe resultiert. 

Zur Behandlung der Zeit: Natürlich ist Musik die Zeitkunst per se. Hans Wüthrich aber setzt sich explizit mit Dauern und Verläufen auseinander und will den Hörer ganz bewusst dafür sensibilisieren. Die Zeitlupenartikulation in Wörter Bilder Dinge verweist ebenso darauf wie die ‚Stills’ aus Happy Hour. einem Musiktheater für zwölf SängerInnen/SprecherInnen, zwei Keyboards, Schlagzeug und Objekte (1994-97), die das sinnlose Treiben einer von der Arbeit ermatteten Partygesellschaft ins Absurde treiben. Im zweiten Satz von Chopin im TGV Basel- Paris, die Sonne betrachtend für Flöte, Violine und Klavier (1989) tritt abermals die stark verlangsamte Bewegung auf, wird aber konterkariert durch einen dahineilenden ersten Satz. Rastlos intonieren Violine und Flöte eine von Vierteltönen geprägte Triolenkette, die am Ende einfach abbricht (und damit auch an die Werke von Wüthrichs wesensverwandtem Landsmann Urs Peter Schneider erinnert). 

Aus der Feder des fast 70-Jährigen stammt das zwischen 2004 und 2006 komponierte Zwölf Phasen eines Cocons und fünf dynamische Kreuze für zehn Instrumentalisten. Wieder einmal scheint Wüthrich, der von sich sagt, er fange „bei jedem Stück mehr oder weniger bei null an”, seine Tonsprache neu zu erfinden. Vorbild waren in diesem Fall Kleinstlebewesen, die sich in einem Kokon vermehren. Langsam, ja zäh beginnt das Stück. Einzelne Töne verzahnen sich, bilden eine schwer durchhörbare Masse. Nur allmählich nimmt die Komplexität zu, werden die Beziehungsnetze dichter. Hier, in der für das Schweizer Festival Rümlingen geschaffenen Komposition gibt es jene geradlinige Entwicklung, die dem Zuhörer Wüthrich’scher Musik zumeist verwehrt ist. Die Ausnahme von der Regel – sie beherrscht das Phänomen Hans Wüthrich auf allen Ebenen. 

Torsten Möller (2012) 

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