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Lang, Bernhard

Bernhard Lang wurde am 24. Februar 1957 in Linz geboren. Zunächst studierte er am Bruckner-Konservatorium seiner Heimatstadt Musik, ab 1975 dann Komposition, Klavier, Jazztheorie und Harmonielehre an der Kunstuniversität Graz sowie Philosophie und Germanistik an der dortigen Karl-Franzens-Universität. Er war u. a. Composer in residence am Theater Basel (2007/2008) und „Capell-Compositeur“ der Sächsischen Staatskapelle Dresden (2008/2009).
Früh setzte er sich mit elektronischer Musik und Computertechnologie auseinander. Am IEM Graz entwickelte er die Software CADMUS in C++ für computergestützte Komposition.
Als einer der renommiertesten zeitgenössischen Komponisten seiner Generation schrieb Bernhard Lang zahlreiche Partituren für beinahe jedes Genre – ob verschieden groß besetzte Kammermusik, Ensemble-, Chor- und Orchesterwerke, digitale Kompositionen/elektronische und computergenerierte Musik, Remixes, Klanginstallationen und Jazz, Rock, Punk, Techno oder Filmmusik, Hörspiele, Theatermusik, Tanz und Musiktheater – Bernhard Langs Schöpferdrang und Einfallsreichtum sind weder zu bremsen noch einzugrenzen.

Bernhard Lang wurde zunächst bekannt durch die Beschäftigung mit dem Phänomen der „Wiederholung“. Sein Werkzyklus Differenz/Wiederholung (DW) mit mittlerweile 39 Einzelwerken basiert auf der philosophischen Arbeit Gilles Deleuzes und begegnet dieser musikalisch mit DJ- Techniken wie loops und scratching. Soziokulturelle und gesellschaftskritische Fragen (Das Theater der Wiederholungen, 2003) werden dabei ebenso behandelt wie dem Musizieren und der Musikkultur immanente Probleme (I hate Mozart, 2006). Ein weiteres Betätigungsfeld ist das „Recyclen“ historischer Musiken, die Lang im Rahmen des Werkzyklus‘ Monadologie (49 Einzeltitel) mittels computergenerierter Verfahren Filter- und Mutationsprozessen unterzieht.
Sein Instrumentarium umfasst neben dem Ensemble klassischer europäischer Instrumente deren verstärkte und elektrifizierte Pendants (z. B. elektrische Viola) sowie gegeneinander mikrotonal verstimmte Ensemblegruppen. Lang setzt analoge und digitale Synthesizer, Keyboards und Rock-Instrumente (E-Gitarre, E-Bass, Drumset) genauso ein wie Plattenspieler (als wegweisende Geräte der Reproduktionskultur), Rap, Gesang aus dem arabischen Sprachraum, Sprechtext und Live-Elektronik (vorwiegend mittels des von ihm selbst programmierten „Loop-Generators“).
“My musical technique of differential minimalism, utilizing loops and cut-ups as well as electronics and references to popular music genres, is rooted in the new music of the present day and shares a close affinity with textual structures” (Bernhard Lang)

Sein Musiktheaterschaffen, das Bernhard Lang ein besonderes Anliegen ist, umfasst mittlerweile 16 Werke. Stellvertretend seien hier zwei genannt: 2017 entstand als Kompositionsauftrag der Wiener Festwochen (mit Vorstellungen am Theater an der Wien und bei den Berliner Festspielen) ParZeFool, der Thumbe Tor nach Richard Wagners Parsifal und in der Regie von Jonathan Meese.
Bernhard Langs Der Reigen mit einem Libretto des Wieners Michael Sturminger, basierend auf dem weltberühmten Skandal-Stück des österreichischen Dramatikers Arthur Schnitzler wurde 2014 als Auftragswerk der Schwetzinger SWR Festspielen zur Uraufführung gebracht. Das Publikum in Österreich allerdings musste ganze fünf Jahre warten, bis es dieses irgendwie durch und durch »österreichische« Werk dann auch auf der Bühne erleben durfte – als Koproduktion der Neuen Oper Wien mit den Bregenzer Festspielen und mit Vorstellungen im Wiener Museumsquartier im Rahmen von Wien Modern.

Eine enge Zusammenarbeit verbindet den Komponisten mit dem Ensemble intercontemporain, dem Ensemble Recherche, dem Klangforum Wien, der Musikfabrik Köln und dem Ensemble Mosaik sowie mit den Sägerinnen Sarah Maria Sun und Salome Kammer, dem Geiger Ilya Gringolt, dem Klarinettisten Gareth Davis und dem Kontrabassisten Uli Fussenegger.

Bernhard Lang erhielt neben weiteren 2008 den Musikpreis der Stadt Wien, 2014 den vom österreichischen Bundesministerium für Kunst und Kultur für außergewöhnliche künstlerische Leistungen verliehenen „outstanding artist award“ in der Kategorie Musik (Komposition) und zuletzt 2019 den Österreichischer Kunstpreis für Musik.

2003 wurde er als Professor für Komposition an die Kunstuniversität Graz berufen, diesen Lehrstuhl hatte er bis zu seiner Emeritierung 2022 inne.
2013/2014 führte ihn eine Gastdozentur für Komposition nach Luzern. Seit 2000 gab er außerdem zahlreiche Lectures: bei den Internationalen Ferienkursen Darmstadt, bei den Ostrava Days, bei Impuls Graz, an der Universität der Künste Berlin, an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie am Konservatorium der Stadt Wien, als Dozent zu Gast war er außerdem u. a. in München, Zürich, Basel, Oslo, Madrid, London und New York.

Das Stadttheater Klagenfurt realisiert 2023 die Uraufführung von HIOB nach einem Libretto von Joseph Roth/Michael Sturminger, für Stimmen, Chor, Orchester und Jazz-Trio und bei den Donaueschinger Musiktagen 2022 erfolgt mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart und dem Bassklarinettisten Gareth Davis die Uraufführung von „Cheap Opera #3 „May“, in deren Fokus das gesellschaftlich vielfach vernachlässigte Thema der Parkinson-Erkrankung steht. (08/2022)


Photo: Harald Hoffmann